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Aktuelle Informationen

Neues Varroamittel Lithiumchlorid

Liebe Imkerinnen und Imker

Letzte Woche erschien in verschiedenen Presseberichten einen Beitrag über ein neues Varroamittel, welches unsere Sorgen mit der Varroamilbe ein für alle mal beseitigen soll.

Wie oft sind Schlagzeilen schnell geschrieben und die Ernüchterung kommt jeweils, wenn man die nötige Vorkenntnis hat und sich intensiver mit dem Forschungsbericht auseinandersetzt.

Deshalb unten eine Stellungnahme der Deutschen Mellifera Gesellschaft.

Geniest wie die Bienen das schöne Flugwetter!

Freundliche Imkergrüsse

Johannes Prevost

BUNDESFACHGRUPPE DEMETER-BIENENHALTUNG Mellifera e.V.
Facharbeitsgruppe im Demeter e.V. Initiative für Biene, Mensch, Natur
Vertreten durch die SprecherInnen der Gruppe: Vertreten durch:
Hans-Joachim Lehmann, Dr. Mirko Lunau, Susanne Weirich Dr. Johannes Wirz
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Stellungnahme

Kritische Resonanz auf Artikel über Lithiumchlorid als Anti-Varroa-Mittel

Vergangene Woche veröffentlichte die Uni-Hohenheim eine Pressemeldung, nach der der "Durchbruch im Kampf" gegen die Varroa, einen Parasiten der westlichen Honigbiene, in greifbare Nähe gerückt sei:
www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?tx_ttnews[tt_news]=38676
Der Gruppe um Peter Rosenkranz ist es demnach gelungen, "ein potentielles Medikament zu entwickeln, das befallene Bienenstöcke mit geringem Arbeitsaufwand über die Fütterung von der gefürchteten Varroa-Milbe befreien kann." Die Arbeit wurde in Nature Scientific Reports veröf-fentlicht, einer der angesehensten wissenschaftlichen Zeitschriften der Welt: www.nature.com/articles/s41598-017-19137-5.
Geradezu euphorisch verbreitete sich die Nachricht daraufhin in den einschlägigen Foren und per e-mail. Dass das Thema zugleich auch von regionalen und überregionalen Tageszeitungen aufge-nommen wurde, zeigt, wie deutlich die existenzbedrohende Situation für die Bienen und Insekten inzwischen in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
Die zufällige Entdeckung, dass die Fütterung von Bienen mit einer Zuckerlösung, die eine geringe Konzentration von einem Gramm pro Liter Lithiumchlorid enthält, den Milben den Garaus macht, kann aber bei kritischer Betrachtung nicht bedeuten, dass eine wirksame Therapie gegen die Var-roa entwickelt wurde, und ganz sicher nicht, dass Lithiumchlorid die Rettung der Bienen ermöglicht.
Abgesehen von praktischen Fragen nach der Dosierung und Wirksamkeit der Substanz unter Frei-landbedingungen, im Gegensatz zu den untersuchten Laborbedingungen, stellen sich im Zusam-menhang mit Lithiumchlorid aus unserer Sicht einige bedenkenswerte Fragen:
- Lithiumchlorid ist wasserlöslich. Bei Verabreichung mit dem Futter kann es als Rückstand im Honig auftauchen.
- Lithiumsalze werden in der Humanmedizin als sogenannte Reservemedikation (wenn nichts anderes mehr hilft) gegen schwere Depression und bei bipolaren Störungen eingesetzt. Auswirkungen auf biochemische Prozesse und neurologische Regelkreisläufe bei
Bienen sind nicht auszuschließen, auch wenn es sich um Insekten handelt. Die getroffene Aussage, dass die durchgeführte Medikation den Bienen nicht schade, bezieht sich lediglich auf die Sterblichkeitsrate der Versuchsbienen unter Laborbedingungen.
- Lithiumchlorid wirkte in der veröffentlichten Untersuchung tödlich auf offene Brut. Nach Fütterung mit einem Futtersaft, der nur 0.4 Gramm pro Liter Lithiumchlorid enthielt, waren 72 Stunden später alle Larven tot, nachzulesen unter folgender Adresse in der ent-sprechenden Patentschrift:
https://patentscope.wipo.int/search/en/detail.jsf?docId=WO2017042240
Bienen sind heute durch eine Vielzahl von Faktoren in ihrer Vitalität und Resilienz bedroht. Dazu gehören z.B. unangemessene Behausungen, intensive Betriebsweisen, Honigertragsmaximierung, züchterische Eingriffe in die Fortpflanzung, fehlendes Nahrungsangebot bzw. einseitige Ernährung durch Massentrachten und Zuckerfütterung und eine Vielzahl von Herbiziden und Pestiziden.
Keines dieser Probleme wird gelöst, wenn wir die Varroen in unseren Völkern töten!
Wir verfügen heute bereits über eine Reihe von wirksamen Anti-Varroa Mitteln z.B. auf Basis organischer Säuren, oder mittels „biotechnischer" Methoden durch Brutentnahme bzw. Be-triebsweisen, die den Schwarmtrieb und die damit verbundene Brutpause ausnutzen.
Darüber hinaus wurde in der jüngsten Vergangenheit ein Präparat auf Hopfenbasis entwickelt, dessen Zulassung sich verzögert.
Die beschriebenen Methoden erzeugen keine Resistenzen und verursachen nachweislich keine Rückstände in Honig oder Wachs, anders als die chemisch-synthetischen Mittel, die zur Behand-lung gegen Varroa ebenfalls zugelassen sind.
In Bezug auf die Anwendung von Substanzen, deren Wirkung auf die Physiologie (und Psycholo-gie?) der Bienen nicht aufgeklärt ist, appellieren wir dringend an die Forschung und die Imkerschaft, dieselben nicht leichtfertig anzuwenden. Hier muss das Vorsorge-Prinzip gelten, so wie wir es in Bezug auf die Anwendung von Glyphosat und Neonicotinoiden schon lange fordern.
Um das Überleben der Bienen zu sichern, müssen wir Ursachen verändern und nicht Symptome behandeln.

Kontakt:
Dr. Johannes Wirz,
Mellifera e.V., Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Dr. Mirko Lunau, Susanne Weirich, Achim Lehmann,
Sprecher der Bundesfachgruppe der Demeter-Bienenhalter, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



90. Kongress deutschsprachiger Imker
Grundkurs für Imker 2018/19

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